Musikschule Horrenberg-Dielheim
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Musikschule & Film & Filmmusik

Die kreative Beschäftigung mit Film und Filmmusik hilft unseren Kindern und Jugendlichen, das allgegenwärtige Medium Film/TV/Hörspiel nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu verstehen und im Wissen um dessen Produktionsbedingungen Abstand, Kritikfähigkeit und einen Begriff von Qualität zu entwickeln – „Medienkompetenz“ eben.

Gleichzeitig steigt die Motivation, sich mit einem Musikstück zu beschäftigen schlagartig, wenn es gilt, das Stück im Studio aufzunehmen und es womöglich noch zu variieren und zu verändern.

Neben dem reinen Instrumental-, Vokal- und Ensembleunterricht hat es sich die Musikschule zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche an das Phänomen Filmmusik heranzuführen – nicht auf dem theoretischen Weg, sondern „learning by doing“, also über das „Selbermachen“.

Im Unterhofstudio sowie im Musikschulstudio im Ortschaftshaus/La Paloma-Kino finden sich alle notwendigen technischen und räumlichen Vorbedingungen für Audioaufnahmen, Videonachbearbeitung und Vertonung, sowie die wichtigsten Instrumente und ein Aufnahmeraum.

Der Spaß bei der Sache hält sich mit den neu gewonnenen (Er-)Kenntnissen die Waage – überzeugen Sie sich selbst, schauen Sie sich einige der unten genannten Beispiele an!

Ansprache von Hansjörg Widmer zur Einweihungsfeier des „La Paloma“
am 20. September 2013:

Liebe Gäste,

[…]

Was hat denn eine Musikschule mit dem Kino zu schaffen?

Darauf gibt es eine kurze und eine etwas längere Antwort:

Die Kurze zuerst und plakativ:

Ohne Musik kein Kino

und
Ohne Kino keine Musik

die Längere gleich hinterher:

Die Musik hat das Kino seit der Zeit, „als die Bilder laufen lernten“ begleitet.
Zu Stummfilmzeiten war die Musik die zweite Erzählebene, die – ähnlich wie in Oper und Operette – mit Leitmotiven und Stimmungen die bildliche/darstellerische Ebene stützt, Emotionen und Stimmungen transportiert – bei unseren Stummfilmvorführungen mit Livemusik war das sehr schön zu erleben.

Dann kam die Zeit des Fernsehens in den USA und die plötzliche Notwendigkeit, massenhaft Filme zu produzieren, so massenhaft, dass man in den sogenannten B-Movies mehr auf das Budget als auf die Qualität von Darstellern und Regisseuren achtete;
aber irgendwie sollte der Zuschauer doch mitkriegen, dass ein so miserabler Schauspieler wie zum Beispiel Ronald Reagan grade verliebt war – am Gesichtsausdruck konnte man das nicht ablesen – ABER –
an den schluchzenden Geigen!!!
Das war die HochZeit der Filmmusik, Hollywood beschäftigte Hunderte von Musikern und Komponisten.

Mittlerweile sind wir im Youtube und Musikvideozeitalter angekommen und ich wiederhole die Behauptung von vorhin:

Ohne Kino keine Musik

-> Ohne Kino/Film/Musikvideo hören unsere Kids fast keine Musik mehr – den fest verstöpselten Ipad-Ohren zum Trotz.

Denn selbst auf diesen Dingern ist noch das Video mit drauf, auf dem sich Madonna oder Beyoncé oder wer auch immer grade räkelt oder böseböse kuckt, wichtig spricht oder Stinkefinger zeigt.

Der „reine“ Musikgenuss findet bei der neuen Generation kaum mehr statt – eine, wie ich finde, sehr bedenkliche Entwicklung.
Ich habe hier eine bemerkenwerte DPA-Meldung zum Auftritt einer Musikerin mitgebracht, die von etlichen Tageszeitungen einer Veröffentlichung würdig befunden wurde:

BeyonceSuperBowl_DPA

Fällt Ihnen was auf?
Ich werde darüber informiert, dass der Auftritt der Dame „fulminant“ war
und dass sie ein „knappes Lederkostüm“ trug.
Dass sie „live“ gesungen hat (wow!).
Die Nennung des Liedes, ein Wörtchen über die Musik?
Fehlanzeige.

Musik-ist-wenn-es-was-zu-sehen-gibt.
Damit wachsen unsere Kinder und Jugendlichen auf.

Na und, sagen Sie, ist doch besser als nichts! – ?

Machen Sie mal einen Test:
fragen Sie nach einem schönen Film ihre Mitkucker, wie ihnen die Filmmusik gefallen hat.
Sie werden sich wundern.
Obwohl Sie in einem 90 Minutenfilm gefühlte 190 Minuten bedudelt werden, hört das anscheinend keiner.
Man hört nicht hin.
Es gibt ja was zu kucken.

Ich betrachte es als eine der Aufgaben von uns Musikpädagogen, dieser Entwicklung entgegenzusteuern.
Indem wir versuchen, sie bewusst zu machen,
indem wir sensibilisieren für
das, was da nahtlos

– 24 Stunden am Tag –

vom Radiowecker über die Aufzugsmusik,
vom Duschradio zum Autoradio,
von der Berieselung im Wartezimmer des Zahnaztes zur Berieselung im Supermarkt,
über die allgegenwärtigen Ohrenstöpsel oder Buntibunti-Kopfhörer
oder die Kneipenbeschallung
bis zur Filmmusik

– in unsere Ohren und unser Unterbewusstsein träufelt.

Unaufhörlich.

Wie das beschaffen ist.
Wie das gemacht ist.
Ob das tageslichttauglich ist.
Oder ob man das Lederkostüm braucht, damit der Konsument über den Rest klaglos wegkommt.

Ja, das Lederkostüm ist tatsächlich sauknapp – aber noch viel viel knapper ist ja das Repertoire an Tönen beschaffen, das ihrem Halse zu entlocken diese oder eine andere dieser Damen und Herren fähig sind.

Das ist schon beinahe unanständig knapp – es merkt’s aber keiner.
Weil – Sie ahnen’s schon – das Kostüm so knapp ist

Ich betrachte es in diesem Zusammenhang als unsere Aufgabe,
das bewusste Hin- und Weghören zu üben,
zu sensibilisieren für diese stete Vertreibung der Stille aus jedem Lebenszusammenhang

und

unsere jungen Musikerinnen und Musiker
zum genauen Hinhören zu erziehen.

Kein Film ohne Filmmusik,
kein Film ohne die Arbeit von Musikerinnen und Musikern –
irgendjemand muss das auch in Zukunft machen.

Film- und Theatermusik kann eine eigene Sprache sein,
sie transportiert Inhalte, die nicht unbedingt auch in den Bildern vorhanden sind,
sie unterstützt/ konterkariert/erzählt die gleiche oder eine ganz andere Geschichte, als die laufenden Bilder.

Deshalb müssen wir uns mit ihr im Rahmen unserer pädagogischen Tätigkeit beschäftigen,
müssen wir Film- und Theatermusik in unser Konzept aufnehmen.
Wir müssen unser Wissen in diesen Bereichen mitteilen, fassbar machen und –
– selber machen lassen.

Wenn wir im Rahmen dieses Vorhabens „so ganz nebenbei“ – im Kino – studieren könnten, wie das „die Großen“ vorgemacht haben, wäre das natürlich toll.

Mit dem „LaPaloma“ steht dem nichts mehr im Wege.

Drei Knopfdrücke, und das Kino ist eröffnet.

Und es wird und soll offen bleiben –

natürlich für unsere Arbeit, wie ich sie eben skizziert habe,
aber selbstverständlich auch für

Kindergärten
Schulen
örtliche Vereine
die Feuerwehr
Mitglieder des Fördervereins der Musikschule
Musiker aus der Gemeinde und von ausserhalb

Sie sind alle eingeladen und aufgefordert, das Angebot zu nutzen.
Wir sind hier im Ortschaftshaus.
Das gehört nicht uns, den Erwachsenen, den Lehrern – so wenig wie die Schulhäuser – finde ich.

Diese Häuser gehören unseren Kindern, für die und zu deren Nutzen wir sie verwalten sollen –
und zwar so, dass möglichst viele was davon haben.

Ich komme zum Ende und schreite zur Ankündigung unseres Vorfilmes.

Der Film heisst „Tröötland Ymphonie“.
Er dauert 2 Minuten und 40 Sekunden.

Wissen Sie, dass das bei 15 Bildern in der Sekunde 2400 Bilder sind, die Sie da zu sehen kriegen?

Der Film ist kurz,
aber die Bilder sind handgemacht.
Die Schauspieler – zum Teil – auch.
Die Musik auch.
Von Schülern unserer Schule.
Die anderen Beteiligten stelle ich hinterher vor –

ich wünsche Ihnen viel Vergnügen –
„eine schöne Projektion“, sagt man auf den Filmfestivals:-)